"Es gibt Veranstaltungen, die einen nachdenklich stimmen. Dazu zählte ein Filmabend, zu dem gleich drei Parteien, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und LINKE, gemeinsam in die Burg-Lichtspiele eingeladen hatten. Im Mittelpunkt des Abends stand die Vorführung des Films „Die Gewerkschafterin“,
Foto: © D. zum Winkel
mit der französischen Filmikone Isabelle Huppert in der Hauptrolle. Der Film erzählt die wahre Geschichte von Maureen Kearney, einer Gewerkschafterin des Atomkonzerns Areva, die 2011/2012 von geheimen Vertragsverhandlungen zwischen dem staatlichen französischen Energiekonzern EDF (Électricité de France) und dem chinesischen Energieunternehmen CGNPC erfährt – und diese öffentlich macht.
Als Whistleblowerin gerät Kearney in die Mühlen von Politik, Justiz und Polizei. Sie wird Opfer schlimmster sexualisierter Gewalt – und man glaubt ihr nicht. Ihr Kampf um den Erhalt von 50.000 Arbeitsplätzen und um ihre eigene Integrität bringt sie an ihre physischen und psychischen Grenzen.
Was den Abend jedoch zu einem absoluten Highlight machte, war die Anwesenheit von Maureen Kearney selbst. Gemeinsam mit der brillanten Eva Stegen – die Frau, die die Buchvorlage zum Film aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt hat – stand sie dem Publikum nach dem Film über eine Stunde lang für Fragen zur Verfügung.
Der Abend schloss mit der Frage, welchen Rat Kearney Menschen geben würde, die selbst Missstände aufdecken möchten. Ihre Antwort war ebenso klar wie eindringlich: „Macht es nie allein, macht es in der Gruppe. Der Einzelne hat keine Chance“. Ein Satz, der nachhallt – und der verdeutlicht, wie groß der Mut sein muss, sich einem übermächtigen System entgegenzustellen. Für Kearney war der persönliche Preis, den sie für ihren einsamen Kampf gegen ein übermächtiges System zahlen musste, eindeutig zu hoch."
Thorsten Siehr, Bürgermeister von Ginsheim Gustavsburg