Basel - Wie viel Raum gibt die Atombranche feministischen Perspektiven?

„Der ganze Abend war einfach bezaubernd. Da waren so viele tolle Menschen!“, resümierte die Gewerkschafterin Maureen Kearney nach einer angeregten Diskussion über den Film, der ihre ungeheuerliche Geschichte erzählt. Von den vielen wichtigen Aspekten, die der Film abbildet, griff Moderatorin Stephanie Eger auch den der starken Männer-Dominanz in der Atomindustrie heraus.

Gute Stimmung beim Apero nach Film und Diskussion - Foto: NWA Schweiz

Sie fragte, wie viel Raum es in dieser Branche für Frauen gibt, für feministische Perspektiven und Kritik an traditionellen Machtstrukturen. „Eine geradezu plakative Antwort lieferte einst Rosatom“, schilderte Eva Stegen. Der russische Staatskonzern zeigte ausgerechnet zum Internationalen Tag der Frau (!) leicht bekleidete Mitarbeiterinnen, abgelichtet vor Atomanlagen, die sich um den Titel «Miss Atom» bewarben. 

Mit Blick auf den 2027 in der Schweiz anstehenden Atom-Volksentscheid bot es sich an, auf die Statistiken zu schauen. In allen Umfragen sind es vor allem die Frauen, die die Atomkraft ablehnen, und zwar umso vehementer, je höher ihr Bildungsgrad ist. Kein Wunder also, dass Frauen immer dann umworben werden, wenn Volksentscheide, Referenden oder Wahlen anstehen. Dann laufen die Propaganda-Maschinen auf Hochtouren – wie u.a. durch geleakte PR-Dokumente im Vorfeld der Laufzeitverlängerungs-Wahlen 2009 in Deutschland deutlich wurde. Besonders auffällig ist das Muster in der abstimmungsfreudigen Schweiz: Die globale Lobby-Organisation «Women in Nuclear» wurde – als Reaktion auf Tschernobyl – 1992 in Zürich gegründet. Die weibliche Wählerschaft soll mit „emotionaler Intelligenz“ auf Linie gebracht werden. 1995 gründete man den Schweizer Ableger «Women in Nuclear CH».

«WiN Germany» wurde 2008, vor den o.g. Wahlen lanciert. 2016 folgte in den USA «Mothers for nuclear» - auf Initiative eines männlichen Atomlobbyisten. Im selben Jahr, im Vorfeld der Volksabstimmung zur Energiestrategie 2050, bei der das Schweizer AKW-Neubauverbot implementiert wurde, erfand man ebenda die «Frauen für Energie». Der 2020 gegründete Deutsch-schweizerisch-österreichischer Ableger «Mothers for Nuclear D-A-CH» sprang auf den Klima-Demo-Zug auf und versuchte, gegen die Umsetzung des in Deutschland beschlossenen Atomausstiegs, eine emotional aufgeladene „Mütter-Perspektive“ darzustellen.

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